2021 PfiLa GPS Tour #5

Das «Pfadfinder-Konzept» entsteht

Nach diesem Krieg wurde Baden-Powell nach England zurückbeordert. Er wurde zum General befördert und mit dem Kreuz des Bath-Ordens ausgezeichnet. Schon bei seiner Ankunft stellte er fassungslos fest, dass er ein Kriegsheld geworden war. Die englischen Zeitungen hatten von der Belagerung Mafekings berichtet. Ganz England hatte den spannenden Kampf um Mafeking verfolgt.

Besonders die Jungen waren begeistert von Baden-Powell. Sein Buch «Aids For Scouting» war ein Jugendbuch-Bestseller geworden. Baden-Powell war gar nicht glücklich darüber, denn es war ein militärisches Buch. Als Mann, der den Frieden liebte, wollte er nicht, dass ein derartiges Buch in die Hände der Jungen kam. Die Entwicklung war jedoch nicht mehr rückgängig zu machen, da beschloss Baden-Powell ein zweites Buch zu schreiben. Dieses Buch wollte er «Scouting For Boys» nennen. Baden-Powell las ein Buch seines Freundes Rudyard Kipling. Das Buch hiess «Kim». Er war von diesem Buch tief beeindruckt, denn es bestätigte seine Erkenntnisse aus Mafeking. Er erkannte auch, dass sich nützliche Fähigkeiten am besten durch Spiel schulen liessen. Er nahm sich vor, sinnvoll gestaltete Spiele in sein geplantes Buch «Scouting For Boys» einzubeziehen.

1903 wurde er in England zum Generalinspekteur ernannt. Er erhielt den Befehl, die Kavallerie neu zu organisieren. Wieder wurde Baden-Powell nach Afrika geschickt, diesmal um die südafrikanische Schutzpolizei auszubilden. Durch die Gründung der South African Constabulary (SAC), einer britisch-burischen Polizeitruppe, trug Baden-Powell viel zur wirklichen Befriedung des Landes bei. Als Ausbildungsort hatte das britische Oberkommando die südafrikanische Stadt Stellenbosch bestimmt, heute wie damals ein Zentrum des Weinanbaus. Zum Leidwesen von Baden-Powell verführte dies viele der Soldaten zu Trinkgelagen. Wenn es später unter Pfadfindern zu Trinkereien kam, bezeichnete Baden-Powell dies immer als „Stellenbosching“.

Zum Generalmajor befördert, sollte Baden-Powell jetzt die gesamte britische Kavallerie nach dem Vorbild der SAC organisieren und wurde zum Generalinspekteur der Kavallerie ernannt. Im April 1908 wurde er zuzätzlich mit dem Kommando der aus der Territorial Armee im Entstehen begriffenen 50th (Northumbrian) Division betraut.
Die berittenen Polizisten trugen einen breitrandigen Hut, ein Halstuch und ein Khakihemd – die spätere Tracht der Pfadfinder.

Diese Aufgabe beanspruchte ihn sehr lange, und erst als die Kavallerie seinen Vorstellungen entsprach, konnte er sich wieder seinem bevorzugten Thema, der Jugenderziehung, zuwenden.

Das erste Pfadfinderlager

Bevor er zur Feder griff, um das Buch „Scouting für Boys“ zu schreiben, wollte er eigene Erfahrungen sammeln. Zu diesem Zweck organisierte er ein Jugendlager. Er trommelte insgesamt 22 Jungen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zusammen. Mit diesen 22 Jungen ruderte er im Sommer 1907 zur Insel Brownsea hinüber. Dort schlugen sie die Zelte auf.

Das Lagergelände des ersten Pfadilagers auf Brownsea Island

Baden-Powell berichtete später: «Der Trupp der Jungen wurde aufgeteilt in Patrouillen zu fünf Mann. Der älteste wurde Patrouillenführer. Diese Einteilung in kleine Gruppen war das Geheimnis unseres Erfolges.» Jedem Patrouillenführer wurde volle Verantwortung für das Verhalten seiner Leute übertragen, und zwar für die ganze Zeit des Lagers. Die Patrouille war eine Einheit für Ausbildung, Arbeit und Spiel. Jede Patrouille lagerte an ihrem eigenen Platz. Die Jungen wurden bei ihrer Ehre verpflichtet, die angeordneten Dinge auch auszuführen. Verantwortlichkeit und gesunde Rivalität wurden auf diese Weise geweckt. Eine gute, grundlegende Ausbildung erfolgte jeden Tag für den ganzen Trupp, und so wurden alle fortschreitend in den Dingen des Pfadfindertums geübt. In ganz England sprach man vom Held von Mafeking, der ein Jugendlager veranstaltet hatte, in dem kein erzieherischer Zwang ausgeübt worden war.

Die meisten Engländer zeigten sich begeistert von Baden-Powells neuer Form der Jugenderziehung. Unter den Anhängern war auch der Londoner Verleger Pearson. Dieser wollte eine Jugendzeitung mit dem Namen «The Scout» gründen, wenn sich Baden-Powell verpflichtete, dafür Artikel zu schreiben. In seinem fünfzigsten Lebensjahr wurde der General zum Jugendführer.

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