2021 PfiLa GPS Tour #6

Scouting For Boys

In der Windmühle von Wimbledon verwirklichte er endlich seinen Plan und schrieb das Buch «Scouting for Boys». Es erschien als Serie, Kapitel für Kapitel, in der Zeitung «The Scout». Später wurde es, in viele Sprachen übersetzt, zum grössten pädagogischen Werk unseres Jahrhunderts.
Wieso kam es zu diesem Erfolg? Scouting for Boys war keine der üblichen schwerverständlichen Abhandlungen eines Pädagogen. Es war ein einfaches Buch, es war eine Erzählung, eine Plauderei am Lagerfeuer, behaglich und spannend erzählt.

Baden-Powell erzählte von seinen Abenteuern in der Steppe und im Dschungel. Man erfuhr, wie man ein Feuer ohne Streichhölzer macht, wie man Entfernungen schätzt, Fährten von Tieren und Menschen deutet und verfolgt, Knoten bindet, wie man die Himmelsrichtungen ohne Kompass ermittelt und Erste Hilfe leistet. Er empfahl den Jungen, sich in kleinen Gruppen zusammen zu tun, täglich eine gute Tat zu leisten und immer hilfsbereit zu sein.
Viele Kritiker fragen sich, was das alles mit Pädagogik zu tun habe. Baden-Powell schrieb wirklich nicht viel über psychologische Persönlichkeitsentwicklung, Motivationssteuerung und ähnliche Schlagworte. Er gab den Jungen Tipps, wie sie spielerisch, ohne es zu merken, diese Ziele erreichten.

Später befassten sich Universitätsprofessoren, Pädagogen und Psychologen mit Baden- Powells Buch und haben den tieferen Sinn herausgefunden: Wer beispielsweise als Jugendlicher ohne Kompass wandert und ständig auf alle natürlichen Anzeichen der Orientierung achten muss, der wird sicherlich auch als Erwachsener in seinem beruflichen und privaten Leben die richtige Linie wählen, und nicht auf Abwege geraten. Wer als Jugendlicher bei den Pfadfindern gelernt hat, Entfernungen zu messen, um zu wissen, ob er mit seinen Kräften das Ziel einer Wanderung in einer Etappe erreichen kann, der wird später auch das Ziel einer beruflichen Aufgabe gut einschätzen können.

Routing for Boys – by B-P

Die weltweite Pfadfinderbewegung entsteht

Auf einer Urlaubsreise nach Südamerika im Jahre 1909 wurde Baden-Powell zu seinem Erstaunen von einer Gruppe Pfadfinder empfangen. Die Jungen trugen Khakihemden, ein Halstuch und einen breitrandigen Hut. Sie erklärten Baden-Powell, dass sie sich die Zeitschrift «The Scout» über den Ozean hatten schicken lassen. Er nahm ihnen das Pfadfinderversprechen ab und erklärte diese Gruppe zur ersten ausländischen Pfadfinderorganisation. Baden-Powell erkannte, dass er mit der Pfadfinderorganisation voll ins Schwarze getroffen hatte. Er wollte eine Bruderschaft gründen, eine Bruderschaft für friedliche Zwecke und ohne Trennung nach Gesellschaftsklasse, Rasse, Nationalität oder Religionsgemeinschaft.

Baden-Powell organisierte 1909 ein Pfadfindertreffen in London. Unter den 11.000 Teilnehmern entdeckte er eine Schar Mädchen. Sie trugen auch eine Pfadfindertracht, kamen auf ihn zu und sagten: «Wir sind Girl Scouts, Mister Baden-Powell.» Baden-Powell war begeistert, dass sich seiner ursprünglich nur für Knaben gedachten Organisation auch Mädchen anschliessen wollten.

Damals war eine Gemeinschaftserziehung von Mädchen und Knaben noch undenkbar, deshalb wurden sie sehr streng getrennt. Die Jungen zu den Boy Scouts und die Mädchen zu den Girl Guides. Baden-Powell entschloss sich, sein Buch Scouting for Boys für die Interessen der Mädchen umzuschreiben. Seine Schwester Agnes half ihm dabei.

Pfadfinderin am ersten Pfadfindertreffen in London 1909


Am 7. Mai 1910 ging BiPi offiziell in Pension.

Dem Abschiedsgesuch BiPis antwortet König Edward VIII. persönlich mit den Worten:
„Die Organisation der Pfadfinderbewegung ist der grösste Dienst, den Sie unserem Land leisten können.“

Im Jahr zuvor übernahm Edward auch das Patronat der Pfadfinderbewegung.

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